Top Utility

Im Gedenken an den größten Massenmord der Geschichte…

… sind 25 Schülerinnen und Schüler der Q2 des Städtischen Gymnasiums Kreuztal zu einer fünftägigen Exkursion nach Krakau geflogen. Begleitet wurden sie von Schulleiter Herbert Hoß, der Jahrgangsstufenleiterin Nadine Stödter-Goß und ihrem Geschichtslehrer Sascha Lindner. Auf dieser Fahrt, die das Gymnasium Kreuztal nach 2017 nun erneut durchgeführt hat, haben sich die Schülerinnen und Schüler – vorbereitet durch zwei Seminarsitzungen in der Schule – aktiv mit einem der düstersten Kapitel unserer Geschichte auseinandergesetzt. Die „Welt“ betitelte die Geschehnisse im KZ Auschwitz/Birkenau vor nicht allzu langer Zeit als „ein Zeugnis von maximaler Grausamkeit des Menschen“. Daher war der Besuch in Auschwitz auch für die Kreuztaler Gruppe eine Reise, auf der sich viele Eindrücke ins Gedächtnis eingebrannt haben.

Ein Tag der Gegensätze: War die Busfahrt von Krakau nach Auschwitz noch von lebhaften Gesprächen in der Gruppe und Spannung auf die bevorstehenden Führungen durch die Lager Auschwitz geprägt, verlief die Rückfahrt eher gedrückt. Hinter den Teilnehmern der Exkursion lag ein langer und anstrengender Tag, gerade, weil das Gesehene, das Unfassbare verarbeitet werden musste. 

Bereits zu Beginn der Führung im Stammlager Auschwitz I wurde schnell klar, dass man sich hier nicht auf einer „normalen“ Geschichtsexkursion befindet. Endlose und meterhohe Stacheldrahtzäune umschließen die einzelnen Baracken, in denen der Besucher mit den Schicksalen der KZ-Häftlinge und den brutalen, auf Vernichtung abzielenden Abläufe im Lageralltag konfrontiert wird, die zu dem Massenmord geführt haben.

Plötzlich steht die Gruppe im Auskleideraum einer Gaskammer. Hier wird es still, schweigend gehen die Teilnehmer durch die Kammer und jeder einzelne durchläuft wohl in Gedanken den grausamen Ablauf der Tötung der ca. 1,3 Millionen Menschen in Auschwitz und Birkenau. Kurze Zeit später steht die Gruppe wieder vor der Kammer, in der Sonne. Eine unwirkliche Szene, da die Juden, die vor über 80 Jahren diesen Weg gehen mussten, die Sonne nie wieder zu sehen bekamen. Vieles bei dieser Führung ist der Schülergruppe aus dem Unterricht bekannt, aber das hier Gesehene übersteigt die Vorstellungskraft.

Der Rückweg führt vorbei an der den Schülerinnen und Schüler aus Bildern bekannte „Todesrampe“, an der die polnische Begleiterin die „Selektion“ der neu angekommenen Häftlinge noch einmal vor Augen führt. Die Führung durch die „Todesfabrik“ endet am frühen Abend schließlich an der Gedenkstätte im 1,5 km entfernten Lager Birkenau vor den in vielen Sprachen verfassten Tafeln mit dem Satz „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit“. Spätestens hier hat der Besuch bei allen seine Spuren hinterlassen.


Diese Spuren wurden auch im weiteren Verlauf der Fahrt nachhaltig verstärkt: In der eindrucksvollen Ausstellung in der Oskar-Schindler-Fabrik erfuhr die Gruppe viel über die Geschichte und das Leben der Juden in der Stadt Krakau vor 1939 und die furchtbaren Zustände im Krakauer Ghetto während der Zeit der  nationalsozialistischen Herrschaft über die Stadt. Auch originale Drehplätze des Films „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg wurden in der sehr interessanten Führung behandelt und später besucht.

 

Die Exkursion endete am letzten Tag des Aufenthaltes schließlich mit einer Zeitreise ins Mittelalter: Die Führung durch das „Rynek“-Museum unter dem berühmten Krakauer Marktplatz bot der Gruppe sowohl Einblicke in das mittelalterliche Leben der Stadt als auch in die aufwändigen Ausgrabungen, die erst nach einem Fund im Jahr 2005 getätigt wurden. Anschließend wurde die Burg der polnischen Könige, der „Wawel“ besucht, wobei die Sage von dem Drachen, der in einer Höhle unter dem Wawel-Hügel gehaust haben soll und von dem Ritter Krak, dem Gründer Krakaus, getötet wurde, nicht fehlen durfte. 

Aus der Erfahrung heraus, dass die Fahrten 2017 und 2019 nach Krakau und Auschwitz einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, sind sich alle Beteiligten einig, dass weitere Gedenkstättenfahrten folgen sollen. Und das nach Möglichkeit in jedem Jahr einmal.