Faust am Kreuztaler Gymnasium

Goethes „Faust I“ als One-Man-Show - geht das? Kann ein Schauspieler den Faust allein auf die Bühne bringen und dabei restlos überzeugen? Yes, he can! Der Schauspieler Steffen Schlösser, der jetzt mit seinem Programm „Faust für alle – in 90 Minuten“  ein Gastspiel für die Jahrgangsstufen Q1 und Q2 des SGK gab, bewies dies eindrucksvoll und restlos überzeugend. 
 

Auf der Kleinkunstbühne der Weißen Villa spannte Schlösser den großen Bogen vom „Vorspiel auf dem Theater“ und dem „Prolog im Himmel“ bis in den „Kerker“, in dem Gretchen auf ihre Hinrichtung wartet. Dabei bot er interaktives Ein-Mann-Lehr-Theater der Extraklasse: Fausts Studierzimmer ließ er vor den Augen des Publikums ebenso lebendig werden wie Auerbachs Keller, die Hexenküche und die Walpurgisnacht auf dem Brocken. Wie Schlösser im Dialog mit sich selbst die Rollen wechselte, war sehr gekonnt und unterhaltsam. Zur Unterstützung holte er sich Schüler/innen auf die Bühne, die als Wagner, Gretchen, Valentin oder Schüler spontan und ungehemmt mitspielten und ebenfalls sehenswerte Leistungen darboten.

Wie Schlösser es dabei schaffte, den komplexen Fauststoff zu komprimieren, ohne ihn zu verflachen, wie er die Balance zwischen Schülernähe und Texttreue hielt und wie er beeindruckendes Schauspiel mit lockerem Vortrag und kabarettistischen Elementen unter Einbeziehung des Publikums verband – das begeisterte Schüler/innen und Lehrer/innen gleichermaßen. 
Eine erfahrene Deutschlehrerin betonte, dass sie noch keine bessere Faust-Inszenierung mit Schülern besucht habe; und Schüler, die im Vorfeld deutlich ihren Unmut über das Vormittagstheater bekundet hatten, waren im Nachhinein voll des Lobes.